Sie sind hier: Startseite

Willkommen

 Akademisches Kunstmuseum

Das Akademische Kunstmuseum, die Antikensammlung der Universität Bonn, ist eines der ältesten Museen Bonns. Es hat seit seinen Anfängen im Jahr 1818 die Aufgabe, griechische und römische Kunst aus den Mittelmeerländern in Abguss und Original zu sammeln. In ihrer Vielseitigkeit und Systematik ist die Sammlung in Nordrhein-Westfalen unübertroffen. Zu erleben ist eine der größten Abguss-Sammlungen Deutschlands mit insgesamt rund 2400 Gipsabgüssen von Statuen, Reliefs und Kleinkunst. In der Originalsammlung sind Tausende antike Werke aus Marmor, Ton, Bronze und Glas zu sehen, die vielfältige Einblicke in die Welt der Antike geben. Weitere Stücke befinden sich in den Magazinen des Museums und werden für Lehrveranstaltungen, Führungen und Sonderausstellungen immer wieder ans Tageslicht gebracht.

 

Das Akademische Kunstmuseum bleibt bis auf Weiteres geschlossen. 
Alle Sonntagsführungen, Führungen und Vorträge sind mit sofortiger Wirkung abgesagt.


Wir werden versuchen neue Informationen an dieser Stelle schnellstmöglich an Sie weiterzugeben.

Weitere zusätzliche Informationen finden Sie auf den Seiten der Universität Bonn:

Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus

 

 Lebenszeichen aus dem AKM

Statuen wurden in der griechischen und römischen Antike in den unterschiedlichsten Kontexten verwendet. Sie wurden etwa in Heiligtümern als Weihgeschenke an die Götter oder gar als Kultstatue der verehrten Gottheit aufgestellt, markierten Gräber oder schmückten öffentliche Plätze wie Agorai. Wer es sich leisten konnte, stattete sein Wohnhaus reich mit Figuren aus. Unser Objekt der Woche stammt aus einem solchen häuslichen Kontext.

 

 Objekt der Woche KW 22   Objekt der Woche KW 22 2

Herme des Alkamenes | Inv.-Nr. 1300 | Gipsabguss | H 119 cm

Original: Marmor | 2. Jh. n. Chr., römische Kopie eines griechischen Originals 

aus dem Attalos-Haus in Pergamon | Istanbul, Archäologisches Museum, Inv.-Nr. 1433

 

Es handelt sich um den Gipsabguss einer Herme aus Marmor, die 1903 in Pergamon ausgegraben worden ist. Hermen verdanken ihren Namen dem Gott Hermes. Ursprünglich bestehen sie aus einem Pfeiler, dem ein Kopf aufgesetzt ist. An den Seiten des Pfeilers imitieren Balkenstümpfe Arme, und an der Vorderseite ist meist ein männliches Geschlechtsorgan zu sehen. Die ersten Hermen entstanden Ende des 6. Jhs. v. Chr. in Attika. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine differenzierte Typologie. So gab es auch Hermen, die ,menschlicherʻ gestaltet waren, indem schon der Unterleib dem Pfeiler entwachsen konnte und nicht nur der Kopf. Ursprünglich stellten alle Hermen den Gott Hermes dar und dienten der Markierung bzw. dem Schutz von Grundstücksgrenzen, Kreuzungen und Hauseingängen oder wurden in Heiligtümern aufgestellt. Später konnten Hermen auch andere mythische Gestalten wie vor allem Dionysos und Herakles, ja sogar weibliche Wesen darstellen. In römischer Zeit waren zudem Porträthermen beliebt.

Unser Gipsabguss entspricht der ursprünglichen Hermenform: Auf einem Schaft, der mit einem Glied sowie einer griechischen Inschrift versehen ist, ist ein bärtiger Kopf angebracht. Die typischen seitlichen Armstümpfe waren eingesetzt und fehlen. Das Gesicht der Herme ist nach vorne ausgerichtet. Der Bart besteht aus langen, wellenförmigen Strähnen. Stirn und Schläfen sind von drei Buckellockenreihen gerahmt, und das Haupthaar fällt bis auf die Brust hinunter. Die Gestaltung der Frisur, nicht aber die Detailgestaltung der Barthaare, ist ein Rückgriff auf archaische Formen. Die Inschrift auf dem Schaft teilt mit, wer dargestellt ist und lautet übersetzt: „Du wirst die herrliche Statue des Alkamenes erkennen, den Hermes vor den Toren. Pergamios hat sie aufgestellt. Erkenne dich selbst.“

Bei der Herme handelt es sich um eine römische Kopie des 2. Jhs. n. Chr. nach einer älteren griechischen Vorlage. Die Inschrift verweist auf den griechischen Bildhauer Alkamenes, der im 5. Jh. v. Chr. in Athen tätig war. Ob Alkamenes tatsächlich der Schöpfer des Urbildes dieser Herme war, ist umstritten. Möglicherweise war das Original unserer Herme auch die Umbildung einer Alkamenes-Schöpfung. Darüber hinaus wurde die Herme aufgrund der Inschrift und der darin enthaltenden Erwähnung des „Hermes vor den Toren“ schon kurz nach ihrer Entdeckung mit einer bei Pausanias überlieferten Herme des Hermes Propylaios auf der Athener Akropolis in Verbindung gebracht. Pausanias nennt jedoch nicht Alkamenes, sondern einen gewissen Sokrates als Künstler der Athener Herme, die also ebenfalls nicht als gesichertes Vorbild für die Kopie aus Pergamon anzusehen ist. Die inschriftliche Aufforderung „Erkenne dich selbst“ (Γνῶθι σαυτόν = Gnōthi s’auton) schließlich zitiert eine berühmte Inschrift, die auf einer Säule des Apollon-Tempels in Delphi zu lesen war. Erfinder soll Apollon selbst gewesen sein, doch wurde die Ermahnung auch mit mehreren der Sieben Weisen der Antike verbunden.

Dokumentiert ist, dass die Pergamener Herme in einem Magazinraum unterhalb des berühmten Attalos-Hauses in Sturzlage gefunden worden ist, also wohl aus dem Attalos-Haus stammt, von dem ein Teil in die tiefer gelegenen Magazine gestürzt ist. Das luxuriöse Wohnhaus ist in frühhellenistischer Zeit (3./2. Jh. v. Chr.) errichtet und im 2. Jh. n. Chr. durch den damaligen Besitzer Attalos, einen römischen Konsul, erneuert worden. Zu der Renovierung des Hauses gehörte auch die Ausstattung mit Kunstwerken, unter anderem der hier vorgestellten Herme. Aus der Säulenhalle des Hauses stammen noch zwei weitere Hermen, von denen eine das Porträt des Attalos zeigt. Da unsere Herme in den Magazinen entdeckt worden ist, bleibt der ursprüngliche Aufstellungsort im Haus unbekannt, doch wird vermutet, dass sie wie die anderen beiden Hermen in der Säulenhalle stand.

 

(Text: Hannah Peters, Leiterin der studentischen Museums-AG des AKM; Bildnachweis: Akademisches Kunstmuseum, Fotos: Jutta Schubert)

 

Hier finden Sie die Texte unserer "Objekt der Woche"-Reihe zum Herunterladen:

Bronzepferdchen | Inv.-Nr. C 74 (KW 15/2020)

Attisch-rotfiguriger Glockenkrater des Polion | Inv.-Nr. 78 (KW 16/2020)

Statuette eines Knaben mit Kinderwägelchen | Inv.-Nr. D 302 (KW 17/2020)

Statuette des ‚Tanzenden Fauns‘ | Inv.-Nr. 59 a (KW 18/2020)

Gemme mit Perseus, Andromeda und dem Ketos | Daktyliothek Reinhardt – Stosch cl. 3, 152 (KW 19/2020)

Sog. Großes Eleusinisches Weihrelief | Inv.-Nr. 710 (KW 20/2020)

Tetradrachme | Inv.-Nr. G.41.21 (KW 21/2020)

Herme des Alkamenes | Inv.-Nr. 1300 (KW 22/2020)


Öffnungszeiten:

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 15 bis 17 Uhr

Sonntags von 11 bis 18 Uhr

An Feiertagen geschlossen

   

Klicken sie auf das Bild für einen virtuellen Rundgang durch das Museum.

 

Akademisches_Kunstmuseum_Bonn_Aussenpanorama_360-up.com.jpg

 

© 360-up.com || Marcus Mitter

 

logo_360-up.png  

  • Geschichte des Museums

weitere Informationen finden sie hier:

  • Abguss-Sammlung

 weitere Informationen finden sie hier:

  • Orginal-Sammlung

 weitere Informationen finden sie hier:

  • Datenbanken

Artikelaktionen