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Das Akademische Kunstmuseum

Das Akademische Kunstmuseum, die Antikensammlung der Universität Bonn, ist eines der ältesten Museen Bonns. Es hat seit seinen Anfängen im Jahr 1818 die Aufgabe, griechische und römische Kunst aus den Mittelmeerländern in Abguss und Original zu sammeln. In ihrer Vielseitigkeit und Systematik ist die Sammlung in Nordrhein-Westfalen unübertroffen. Zu erleben ist eine der größten Abguss-Sammlungen Deutschlands mit insgesamt rund 2400 Gipsabgüssen von Statuen, Reliefs und Kleinkunst. In der Originalsammlung sind Tausende antike Werke aus Marmor, Ton, Bronze und Glas zu sehen, die vielfältige Einblicke in die Welt der Antike geben. Weitere Stücke befinden sich in den Magazinen des Museums und werden für Lehrveranstaltungen, Führungen und Sonderausstellungen immer wieder ans Tageslicht gebracht.

Ankündigung 

 

Akademisches Kunstmuseum wieder geöffnet

Ab dem 30. Mai 2021 hat das Akademische Kunstmuseum der Universität Bonn

sonntags von 11.00 bis 18.00 Uhr für Besucher geöffnet

 

Während des Aufenthalts im Gebäude muss eine medizinische Maske (OP-Maske oder FFP2-Maske ohne Ventil) getragen werden. Zur Rückverfolgbarkeit sind an der Kasse die Kontaktdaten anzugeben.

  

Academic Art Museum reopened

From May 30, 2021, the Academic Art Museum of the University of Bonn

opens to visitors on Sundays from 11 a.m. to 6 p.m.


It is compulsory to wear a medical mask (surgical mask or FFP2 mask without valve) in the building. For traceability, provide your contact details at the ticket office.



 

Geschichte des Museums

weitere Informationen finden Sie hier:

Zur Geschichte der Klassischen Archäologie in Bonn

Schon bei den ersten Planungen für die Gründung der Universität in Bonn (ab 1815) war die Einrichtung eines Kunstmuseums vorgesehen worden, das die wichtigsten antiken Skulpturen in Abgüssen präsentieren sollte. Frühere Abgusssammlungen dienten hauptsächlich zur Ausbildung in Kunstakademien, so im 18. Jh. in Düsseldorf. Die Düsseldorfer Bestände bildeten dann den in der deutschen Klassik berühmten Antikensaal in Mannheim. Für die Universitätslehre waren Abgüsse schon von Ch. G. Heyne in Göttingen (ab 1763) benutzt worden, wo die Skulpturen allerdings in der Universitätsbibliothek verstreut aufgestellt waren. Das Bonner Museum, das Akademische Kunstmuseum, war als museale Lehreinrichtung neu und wurde vielfach nachgeahmt. Schon vor der eigentlichen Gründung der Universität wurden die ersten Abgüsse in Paris bestellt.

Zum Leiter wurde 1819 Friedrich Gottlieb Welcker (1784-1868) berufen, der schon 1809-1816 in Gießen als erster in Deutschland neben der Philologie auch die Archäologie offiziell vertreten hatte und über Göttingen nach Bonn kam. Welcker lehrte Archäologie sowohl in den Räumen des Akademischen Kunstmuseums, das bis 1884 im Hauptgebäude der Universität untergebracht war, als auch mit Hilfe von Tafelwerken in der darüber gelegenen Universitätsbibliothek. Schon 1827 konnte ein erster Katalog des Museums erscheinen. Welcker gehörte zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Idealismus. In vielen seiner Werke verband er philologische und archäologische Kenntnisse in einer noch heute wünschenswerten Weise. 1854 trat er von seinen Ämtern zurück.

Sein Nachfolger im Lehramt als Philologe und Archäologe wurde Otto Jahn (1819-1869), der sich die Direktion des Museums bis 1861 mit dem Philologen F. Ritschl teilte. Jahn, der vor seiner Bonner Zeit vor allem durch mythologische Studien und den ersten Vasenkatalog in München hervorgetreten war, schrieb hier Untersuchungen zu römischen Wandmalereien, Militärabzeichen sowie den ersten Aufsatz über "Darstellungen des Handwerks und Handelsverkehrs". Bei ihm ließ die historisch kritische Methode den idealistischen Anspruch schon zurücktreten. Zu seinen philologischen Werken in der Bonner Zeit gehört vor allem die Ausgabe der römischen Satiriker. Er gab aber auch einige Werke von Goethe und einige seiner Briefwechsel heraus. In Bonn entstand die heute noch wichtige Biographie Mozarts. Den Bestand des Museums an Abgüssen konnte er fast verdoppeln und dafür eine Erweiterung der Räumlichkeiten durchsetzen. Auch die Originalsammlung wurde vermehrt.

Reinhard Kekulé (1839-1911) wurde 1870 als erster deutscher Lehrstuhlinhaber allein für Archäologie nach Bonn berufen. Er betrieb vor allem antike Kunstgeschichte, wobei die Plastik im Vordergrund stand. Die schon von Jahn gewünschte Vorlage des antiken Kunstschaffens in Corpora - vergleichbar den Ausgaben antiker Autoren und Inschriften - hat er vor allem durch seine Pläne zur Bearbeitung der antiken Terrakotten gefördert. Das Akademische Kunstmuseum profitierte davon durch zahlreiche Ankäufe auf diesem Gebiet, vor allem aus Unteritalien. Sie bilden heute einen Schwerpunkt der Sammlung. Auch wichtige Vasen konnten erworben werden. Das wichtigste Ergebnis von Kekulés Bonner Amtszeit (er ging 1889 nach Berlin) war die Errichtung eines eigenen Gebäudes für das Akademische Kunstmuseum. Es gelang ihm, den 1823-30 von Waesemann und Schinkel errichteten und 1872 geräumten klassizistischen Bau der Alten Anatomie für das Kunstmuseum zu erhalten. 1884 wurde er durch ein neues Gebäude für die Abgusssammlung erweitert. In sieben Sälen konnte die antike Kunstgeschichte vom Alten Orient bis in die römische Zeit studiert werden, wobei die hohe Klassik den größten Raum und die Rotunde des Schinkelbaus, das ehemalige theatrum anatomicum, erhielt. Diese Anordnung ist in den Grundzügen noch heute erhalten. Bibliothek, Hörsaal und Originalsammlung waren in den Seitenflügeln des Schinkelbaus untergebracht, räumlich also sehr beengt.

 



Kekulés Nachfolger Georg Loeschcke (1852-1915) hatte sich vor allem durch die erste Bearbeitung der mykenischen Keramik hervorgetan. In Bonn sorgte er durch Ankäufe und die Anregung zu Schenkungen dafür, daß die Originalsammlung zu einer der vielseitigsten unter den kleinen Antikenmuseen wurde. Bibliothek, Photosammlung und Hörsaal konnten ab 1908 in einem Institutsbau neben der Abgußsammlung untergebracht werden. Loeschcke hatte eine große Schar von Schülern aus dem In- und Ausland, zu denen wie bei Welcker und Kekulé auch die preussischen Prinzen gehörten, die traditionell in Bonn studierten. 1912 wurde Loeschcke wie sein Vorgänger nach Berlin berufen.

Sein Nachfolger Franz Winter (1861-1930) war bei Kekulé über jüngere attische Vasen promoviert worden und hatte dann bei ihm den Typenkatalog der antiken Terrakotten geschrieben. Zu seinen späteren Werken gehören die Bearbeitung der pergamenischen Skulpturen, des Hildesheimer Silberschatzes und des Alexandermosaiks. In seinen Bonner Jahren (1912-1929) konnte er nur Vorarbeiten zu den pompejanischen Mosaiken und zu einer Geschichte der griechischen Malerei liefern, für die er eine große Zahl von hervorragenden Aquarellen als Tafelvorlagen schuf.

Richard Delbrueck (1875-1957), Schüler von Loeschcke, war 1909 bis 1915 Direktor des römischen Instituts gewesen. Als Professor in Bonn (1928-1940) schrieb er seine heute noch grundlegenden Werke zur spätantiken Kunst (Konsulardiptychen, Porphyrwerke, Kaiserporträts, Münzbilder des 3. Jhs.). 1940 wurde er aus politischen Gründen emeritiert. Das Museum wurde durch Übermalung der Wände dem Zeitgeschmack angepaßt, war aber wegen Ausfall der Heizung nur noch im Sommer zugänglich. Von den Beständen wurden die attischen Vasen erstmals umfassend publiziert.

Ernst Langlotz (1895-1978) hatte an der gültigen Chronologie der archaischen und frühklassischen Kunst, an der Erforschung der Vasenmalerei, der Akropoliskoren und der Landschaftsstile archaischer Zeit entscheidenden Anteil. In Bonn (1944-1966) hatte er mit den Schwierigkeiten der Kriegs- und Nachkriegszeit zu kämpfen, bei denen das Akademische Kunstmuseum einige Verluste erlitt. 1945 gehörte er zu den wenigen Professoren, die große Scharen von Studenten aus allen Fächern anzogen, weil er es verstand, die Antike als Möglichkeit einer Sinngebung zu vermitteln. In Bonn beschäftigte er sich mit Problemen der hochklassischen Kunst, vor allem des Phidias und seiner Schüler, der Rekonstruktion einzelner Werke und vor allem mit der Kunst der Griechen in Sizilien und Unteritalien. Die Originalsammlung wurde um wichtige Einzelstücke bereichert, ebenso die Abgüsse archaischer und klassischer Skulptur. Eine zweite Professur konnte eingerichtet werden, die der Phöniker- und Ibererforscher Erich Kukahn (1910-1987) von 1961-1975 bekleidete. Das Museum erhielt eine hauptamtliche Kustodenstelle.

Nikolaus Himmelmann (1929-2013) war Ordinarius von 1966-1994. Seine vielfältige wissenschaftliche Arbeit galt vor allem grundlegenden Fragen der Interpretation griechischer Kunst, aber auch Problemen späterer Zeit bis in die Gegenwart. Sie kann hier nicht eingehender gewürdigt werden. Zahlreiche Schüler aus dem In- und Ausland bezeugen seine Wirkung. Das Museum wurde durch erneuten Einbau einer Heizung im Winter wieder zugänglich und dem Publikum geöffnet, die Originalsammlung durch neue Vitrinen attraktiver. Zahlreiche Originale aus allen Gattungen und Abgüsse aus vielen Gebieten konnten erworben werden. Die wissenschaftliche Aufarbeitung durch Kataloge, Monographien zur Geschichte des Hauses, ein Verzeichnis der Abgüsse, Einzelpublikationen und durch Führer machte große Fortschritte.
Link zum Schriftenverzeichnis

Hanns Gabelmann (1936-1996) habilitierte sich 1971 in Bonn und war seit 1973 Professor für Klassische Archäologie. Seine wissenschaftlichen Arbeiten in Bonn galten vor allem den Grabbauten und Grabskulpturen der römischen Provinzen und der Ikonographie römischer Grab- und Staatsreliefs.

Abguss-Sammlung

weitere Informationen finden Sie hier:

Archaik (ca. 650 - 490 v.Chr.)

Die Archaik ist die frühste Epoche der griechischen Großplastik. Typisch ist die Stilisierung einzelner Körperdetails, das Lächeln und der anfangs blockhafte Aufbau der Figuren. Das frühste Exponat ist der Abguss des Löwentors von Mykene aus der Zeit um 1300 v. Chr. Daneben finden sich zahlreiche Abgüsse von Kouroi, Standbilder nackter junger Männer, Koren, Standbilder junger Mädchen sowie Beispiele archaischer Bauskulptur. Interessant sind die Abgüsse der Giebelskulpturen des Aphaiatempels auf Ägina, die noch die Ergänzungen des klassizistischen Bildhauers Thorvaldsen zeigen, die am Original wieder entfernt wurden. 

 

 

 

 

Strenger Stil (ca. 490 - 450 v.Chr.)

Der Strenge Stil ist der frühste Abschnitt der griechischen Klassik und stellt den Übergang von Archaik zu Hochklassik dar. Charakteristisch ist die zunehmende Bewegung der Körper, gut zu erkennen am Tiberapoll oder am Omphallosapoll. Neben den Tyrannenmördern, dem Gott aus dem Meer oder dem Wagenlenker von Delphi beherbergt dieser Saal zahlreiche Bauskulpturen des Zeustempels von Olympia. Auch das größte Exponat des Akademischen Kunstmuseums findet sich hier, der gut 4 Meter große archaische Isches-Kouros aus Samos.



Hochklassik (ca. 450 - 400 v.Chr.)

Der zentrale Saal des Museums zeigt einige der wichtigsten Abgüsse griechischer Skulptur, wie etwa den Fries des Parthenon aus Athen. Die Abgüsse stammen aus den Jahren 1821, bzw. 1864 - 68 und zeigen somit einen Erhaltungszustand, den die Originale durch Korrosion und Luftverschmutzung verloren haben. Weiterhin finden sich hier Abgüsse wichtiger Skulpturen wie dem Doryphoros, dem Diadumenos oder der Giebelskulpturen des Parthenon. Der Hauptsaal wird häufig für wechselnde Sonderausstellungen genutzt.



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Im Durchgang zur Originalsammlung sind einige Grabreliefs ausgestellt, wie das Dexileosrelief, das Ilissosrelief oder die New Yorker Taubenstele.


Nachklassik / 4. Jahrhundert (ca. 400 - 323 v.Chr.)

Im Saal des 4. Jahrhunderts finden sich zahlreiche Abgüsse schon früh berühmt gewordener Skulpturen, wie der Apollon vom Belvedere, der Hermes von Olympia und der Herakles Farnese. Auch Beispiele der Bauskulptur vom Mausoleum in Halikarnassos sind hier ausgestellt.
Typisch für diese Epoche ist die zunehmende Längung der Gliedmaßen und des ganzen Körpers sowie der zunehmend labilere Stand.

 

 

 

Hellenismus (ca. 323 - 30 v.Chr.)

Der Hellenismus stellt die letzte Epoche der griechischen Skulptur dar, bevor diese von der römischen überlagert wird. Sein Beginn wird mit dem Tod Alexanders, sein Ende mit der Herrschaft des Augustus verbunden. Eine stringente Stilentwicklung ist in dieser Zeit nur schwer zu beobachten, vielmehr existieren verschiedene Strömungen nebeneinander, die sich in geschlossenen, geöffneten, pathetischen oder flächigen Formen ausdrücken. Zentrale Werke dieser Epoche finden sich hier im Abguss, wie Teile des Pergamonaltars, die Nike von Samothrake, der Laokoon, die Aphrodite von Melos und der Thermenherrscher und daneben die Florentiner Ringergruppe und der Augustus von Primaporta.


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(Text und Gestaltung: Marc Kähler; Fotos: Uni Bonn, W. Klein, M. Bräker)


Aus Platzgründen können nicht alle Abgüsse in der Dauerausstellung gezeigt werden. Zahlreiche Reliefs und Köpfe sind magaziniert und werden zu Seminaren, Führungen und Sonderausstellung in den Sammlungsräumen präsentiert.

 

Original-Sammlung

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Rotunde

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Die Rotunde ist das Herzstück der Originalsammlung des Akademischen Kunstmuseums. Die Rotunde führt eindrucksvoll vor Augen, dass der sog. Schinkelbau für das Bonner Anatomische Institut errichtet wurde: In dem runden Saal ist das ehemalige Anatomische Theater, in dem früher seziert wurde. In hohen Holzrängen nahmen die Studierenden Platz. Das Anatomische Institut zog nach wenigen Jahrzehnten aus dem Gebäude wieder aus, welches dann als Akademisches Kunstmuseum neu genutzt und erweitert wurde.

Neben Gipsabgüssen des Kassler Apolls, dreier Amazonen sowie des Frieses des Apollontempels vom Bassai finden sich hier heute die originalen Marmorwerke des Akademischen Kunstmuseums: Attische Grabreliefs des 4. Jahrhunderts v. Chr., Doppelhermen und diverse Marmorporträts, etwa der ägyptischen Königin Arsinoe II. oder der Gattin des Augustus Livia.

Vor der Tür in Richtung Hofgarten stehen die  Büsten von F. G. Welcker, dem ersten Leiter des Akademischen Kunstmuseums und von K. F. Schinkel, dem bedeutenden klassizistischen Baumeisters, auf dessen Schüler Waesemann die Pläne den ersten Baukörper des Museums zurückgehen.


1. Raum - Kleiner Vasensaal


Ein Schwerpunkt der Bonner Sammlung ist die antike Keramik, die in drei Sälen ausgestellt und nach der Entstehungszeit und nach Produktionsorten geordnet ist.

Kriegerkopfböotische Amph.

Der erste Raum der Originalsammlung zeigt Keramik vom Neolithikum bis zum 6. Jahrhundert v. Chr., darunter Stücke aus Kreta, von den Kykladen und Zypern, wie eine Schale mit der Darstellung eines Webstuhls.

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Es folgen Funde aus Schliemanns Troia-Ggrabung, Exemplare aus geometrischer Zeit, benannt nach den Formen des Dekors, und korinthischer Zeit, benannt nach dem Hauptherstellungsort Korinth. Gut erhalten ist die Bemalung eines minoischen Tonsarges, die einen Tintenfisch zeigt. 


 

 

2. Raum - Großer Vasensaal

Apulische Amphora

 

 

Der Hauptraum der Vasensammlung beherbergt Beispiele böotischer, attisch schwarz- und rotfiguriger, unteritalischer und hellenistischer Keramik. Gut nachzuvollziehen ist der entscheidende Dekorationswandel anhand der Beispiele in den beiden freistehenden Vitrinen. Die vordere enthält Beispiele attisch schwarzfiguriger Keramik, bei der die Figuren mit schwarzen Malschlicker aufgemalt wurden und nach dem Brand mit Ritzlinien verziert wurden. Die hintere Vitrine enthält Exemplare attisch rotfiguriger Keramik, bei der der Hintergrund schwarz ausgemalt wird, wobei die Figuren im Tongrund stehen bleiben. Nun kann vor dem Brand die Binnengliederung mit einem dünnen Pinsel gemalt werden.

 

 

 

Gnathia

Das Museum beherbergt daneben auch große Scherbensammlungen, wie es typisch ist für eine Lehr- und Studiensammlung. Einen herausragenden Komplex bilden die Fragmente des sog. Bonner Werkstattfundes, anhand derer Techniken, Herstellunsgprozesse und Arbeitsabläufe in einer antiken Töpferwerkstatt diskutiert werden können.


 

3. Raum - Sog. Lampensaal

 

PilgerfalscheLampe

Der dritte Raum - mit Blick auf den Hofgarten - zeigt Beispiele hellenistischer und italisch-indigener sowie provinzialrömischer Keramik, Exponate der römischen Kaiserzeit, darunter zahlreiche Lampen.  

 

 4. Raum


Der Durchgang hinter der Rotunde zeigt einige Beispiele kleinformatiger Marmor- und Terrakottaplastik.

Bronzepferdchen

 

5. Raum - Bronzesaal

 

Der nächste Raum enthält Beispiele griechischer und römischer Kleinbronzen, zahlreiche Fibeln, Schmuck und Gefäße sowie diverse Waffenteile, darunter einen persischen Helm, ein Geschenk des Schahs von Persien an die Bundesrepublik Deutschland. In einer Wandvitrine befinden sich Beispiele von Edelmetallarbeiten und Edelsteinen.

 

 

6. Raum - Terrakottasaal  

Tanagräerin

 

 

 

 

Einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung machen antike Terrakotten aus. Hervorzuheben sind qualitätvolle Stücke aus Unteritalien, Etrurien und Sizilien, aus Ostionien und den griechischen Inseln. Wichtig ist weiterhin ein ägyptischer Holzsarkophag aus Abusir. Die Grabbeigaben, u.a. zwei Schabeisen, beweisen den griechischen Charakter der Bestattung.

 

Ein Highlight des Museums ist schließlich das Mumienporträt eines jungen Mädchens aus Ägypten, welches zu den besten der Gattung gerechnet wird.

 

  7. Raum - Münzsaal 

Münze

Der nach den Sanierungsarbeiten neu hinzugekommene Ausstellungsraum ermöglicht nun einen kompletten Rundgang durch die Originalsammlung. Hier sind die umfangreichen Sammlungen antiker Münzen und antiken Glases weitaus großzügiger präsentiert. Erstmals werden nun Beispiele antiker Stoffe und Gewebe ausgestellt, daneben eine Auswahl an Alltagsgeräten.

 

 

 

(Text und Gestaltung: Marc Kähler; Fotos: J. Schubert, W. Klein, M. Bräker)

Virtueller Rundgang durch das Museum

Klicken sie auf das Bild für einen virtuellen Rundgang durch das Museum.

 

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© 360-up.com || Marcus Mitter

EinBlicke aus dem AKM

In ganz Europa ist Bargeld mittlerweile stark rückläufig, nur in wenigen Ländern wie Deutschland erfreut es sich weiterhin großer Beliebtheit. Insbesondere das Hartgeld hat dabei eine lange Tradition. So wurden im Rheinland schon während der Herrschaft der Römer Münzen in hohen Stückzahlen geprägt. Auf diese Weise etablierte sich eine einheitliche Währung, die vergleichbar mit dem Euro in großen Teilen Europas Gültigkeit hatte. Anders als heute waren die damaligen Münzen jedoch häufig aus Edelmetallen wie Gold, Silber und Bronze gefertigt und hatten daher einen hohen Materialwert, der oft bereits dem Wert der Münze entsprach.

 

Bei der vorgestellten Münze handelt es sich um den Münztyp Antoninian (Forschungsname), der ab 215 n. Chr. unter Kaiser Caracalla (211–217 n. Chr.) im gesamten Römischen Reich geprägt wurde. Sie besteht aus Bronze und ist mit einer dünnen Schicht Silber überzogen. Der Silbergehalt des Nominals nahm im 3. Jh. n. Chr. zunehmend ab, sodass immer mehr Bronze hinzukam. Wie bereits beschrieben besitzt dieses Exemplar nur einen geringen Silberanteil und stammt aus einer Münzstätte der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA, heutiges Köln). Der geringe Silberanteil der Münze ist ein sicheres Indiz für die Seltenheit von Edelmetallen zu diesem Zeitpunkt und den damit einhergehenden Wertverfall der Währung.

 

Objekt der Woche KW 11 2021 1   Objekt der Woche KW 11 2021 2

Antoninian | Inv.-Nr. R.58.04 | Dm 21/24 mm, Gewicht 3,53 g | Prägeort: Köln | 260/1 n. Chr.

 

Auf der Vorderseite (Avers) der Münze ist in militärischer Aufmachung, nämlich in Panzer und Feldherrenmantel, sowie mit Strahlenkrone der Kaiser Postumus (260–269 n. Chr.) des Gallischen Sonderreiches der Römer zu sehen. Die Strahlenkrone, eigentlich das Attribut des unbesiegten und ewigen Sonnengottes (Sol Invictus), überhöht den Kaiser und ist gleichzeitig ein Zeichen dafür, dass es sich um eine doppelwertige Münze handelt, in diesem Fall einen Doppeldenar, heute meist Antoninian genannt. Um den Kaiser herum steht folgende Umschrift:

 

IMP C POSTVMVS P F AVG


Dabei handelt es sich um die Nennung des Kaisers als Prägeherrn der Münze mit den damals üblichen Abkürzungen des Namens und der Herrschertitel. Aufgeschlüsselt steht dort Imperator Gaius Postumus Pius Felix Augustus. In deutscher Übersetzung also ‚frommer und glücklicher (über die genaue Übersetzung von pius felix lässt sich streiten) Kaiser und Feldherr Gaius Postumus‘. Aufgrund des hier genannten Titels des Kaisers lässt sich die Münze in das Jahr 260/261 n. Chr. datieren. Auf der Rückseite (Revers) ist eine laufende Victoria mit Flügeln zu sehen, die einen Lorbeerkranz und einen Palmzweig trägt. Links vor ihr sitzt ein kleiner Gefangener (sog. Captivus) auf dem Boden, der vor allem einen militärischen Sieg unterstreicht. Um Victoria herum steht folgende Umschrift:

 

VICTORIA AVG


Ausgeschrieben bedeutet das Victoria Augusti, zu deutsch die ‚Sieghaftigkeit des Kaisers‘. Im Jahr 260 n. Chr. lässt sich Postumus als neuer römischer Herrscher Galliens und Germaniens auf neuen Münzprägungen der Region (hier Köln) abbilden. Dabei tritt er als siegreicher und tugendhafter Kaiser auf, der seine Untertanen vor den häufigen Überfällen aus Germanien schützte.

 

Details zur Münze finden sie in der Münzdatenbank des Akademischen Kunstmuseums

(Text: Sixt Finn Baumann, Master-Student Archäologische Wissenschaften; Bildnachweis: Akademisches
Kunstmuseum Bonn)

 

Hier finden Sie die Texte unserer "EinBlicke aus dem AKM"-Reihe zum Herunterladen:

 

Bronzepferdchen | Inv.-Nr. C 74 (KW 15/2020)
Attisch-rotfiguriger Glockenkrater des Polion | Inv.-Nr. 78 (KW 16/2020)
Statuette eines Knaben mit Kinderwägelchen | Inv.-Nr. D 302 (KW 17/2020)
Statuette des ‚Tanzenden Fauns‘ | Inv.-Nr. 59 a (KW 18/2020)
Gemme mit Perseus, Andromeda und dem Ketos | Daktyliothek Reinhardt – Stosch cl. 3, 152 (KW 19/2020)
Sog. Großes Eleusinisches Weihrelief | Inv.-Nr. 710 (KW 20/2020)
Tetradrachme | Inv.-Nr. G.41.21 (KW 21/2020)
Herme des Alkamenes | Inv.-Nr. 1300 (KW 22/2020)
Kampanischer Tauben-Guttus | Inv.-Nr. 1548 (KW 23/2020)
Friesplatten Nord II und III des Parthenon auf der Athener Akropolis| Inv.-Nr. 2030 (KW 24/2020)
Porträtkopf der Livia | Inv.-Nr. B 79 (KW25/2020)
Sarkophag-Applik | Inv.-Nr. D 767 (KW26/2020)
Torsopuppe | Inv.-Nr. D 200 (KW27/2020)
Attisch-schwarzfigurige Amphora | Inv.-Nr. 44 (KW28/2020)
Strigilis | Inv.-Nr. C 162 (KW31/2020)
Gemma Augustea | Inv.-Nr. 2235 a  (KW34/2020)
Attisch-schwarzfiguriges Oon-Fragment | Inv.-Nr. 846 (KW40/2020)
Antoninian (Münze) | Inv.-Nr. R.58.04 (KW11/2021)

 

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